Orgelrestaurierung

Mit dem Skalpell Kunstschätze freigelegt

Orgelempore wird restauriert

Millimeter um Millimeter arbeitet sich Yvonne Ressel mit dem Skalpell vor. Doch im Gegensatz zur Arbeit eines Chirurgen geht es nicht um eine Operation am Menschen sondern um die Restaurierung eines uralten Bildes. „In diesem Fall sind es etwa 200 Jahre alte Bilder an der Orgelempore der Techentiner Dorfkirche“, klärt Bettina Strauß auf. Wie ihre Kollegin Ressel ist sie Diplomrestauratorin und macht Bilder in ihrer Ursprungsform wieder sichtbar.

Mit dem Wattebausch werden alte Farben entfernt

Doch bevor es an die eigentliche Restaurierung geht, haben die beiden einige Proben genommen, um zu sehen, wie viele Schichten Farbe vorhanden sind und wie diese sich lösen lassen. In der Techentiner Kirche sei zu erahnen gewesen, dass in den Holzkästen der Empore Bilder sind. Ein erster Test legte dann eine Lyra frei. „Wir waren sehr erstaunt und schnell war klar, dass die Orgelempore wieder in ihrem Originalzustand hergestellt werden sollte“, sagt Maik Gustafson, Chef des Fördervereins der Dorfkirche Techentin. Mit rund und 6 500 Euro rechnete der Förderverein und so mussten erneut Spenden aufgetrieben werden. Die Erlöse des alle zwei Jahre stattfindenden Kirchturmfestes und Vereinsbeiträge kamen in diesen Topf, dazu 1500 Euro Fördermittel.

Dipl. Restauratorin Yvonne Ressel

Etwa vier Wochen lang wurde in der Kirche Feinarbeit betrieben. Konzentration, ein gutes Auge, Fingerspitzengefühl und viel Geduld sind einige der Voraussetzungen, die bei der Restauration gefragt sind. Zuerst musste das Lösungsmittel für die Farben gefunden werden. „Die Zusammensetzung muss genau stimmen und dazu die Einwirkzeit genau berechnet werden. Schließlich soll die Lösung nur eine hauchdünne Farbschicht im Zehntelmillimeterbereich entfernen und die anderen Schichten nicht beeinflussen“, sagt Bettina Strauß. Mit einem Wattebausch wird dann die einst übergestrichene Farbe Millimeter um Millimeter entfernt.

Auch das Skalpell
kommt zum Einsatz

Mitunter kommt auch das Skalpell zum Einsatz, vor allem bei der Fein- oder auch Nachreinigung. Stück für Stück werden so die Kunstwerke von einst wieder sichtbar. Auch wenn mit noch so großer Mühe restauriert wird, einige Farbstellen lassen sich nicht wieder herstellen. „Diese werden retuschiert. Wir ergänzen diese Stellen“, klären die Diplomrestauratorinnen auf. Abschließend streichen sie Schlussfirnis über, Nun kann sich auch die Nachwelt wieder an der jahrhundertealten Malerei erfreuen.

Das 200-Jahre alte Bild - eine Lyra - wurde freigelegt

Bis zum 1. Advent, am 29. November 2009, soll alles fertig sein. „Dann wird um 16 Uhr mit einem Festgottesdienst die neue Orgelempore – natürlich mit einem singendem Chor – eingeweiht“, sagt Pastor Kornelius Taetow.

Mit der Wiederherstellung der alten Bilder sind die Arbeiten in der alten Dorfkirche noch nicht abgeschlossen. „Wir planen in den nächsten Monaten bis zum Sommer die Umgestaltung der Sitzbänke. Zum einen soll die farbliche Gestaltung den Farben der Orgelempore angepasst werden, zum anderen die Sitzfreundlichkeit durch veränderte Rückenlehnenverbessert werden “, sagt Gustafson.

Michael-Günther Bölsche

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